Texte von Bernard Bonvivant
Fieber der Leidenschaft
Wir stehen auf dem Friedhof im strömenden Regen und schauen zu, wie der Sarg langsam in die Tiefe hinab gleitet. Ein Regentag in London ist nicht ungewöhnlich, aber auf einem Friedhof ist es schon ein merkwürdiges Gefühl. Neben mir steht Jeff und grinst, Mary und Kathleen beugen sich vor, um zu sehen, ob dieser Sarg auch wirklich unten bleibt. Immerhin war seinem Nutzer eine Menge zu zutrauen. Daniel liebte es zu überraschen. Einige Friedhofsbesucher schauen schon etwas verunsichert zu uns herüber. Das ist auch nicht verwunderlich bei unserem Verhalten, doch es gibt auch einen triftigen Grund für unser Benehmen. Unsere Vorgeschichte liegt fast 40 Jahre zurück.
Wir waren Kinder jung und frech. Jeff, Daniel, Mary, Kathleen, Susan und ich kamen aus demselben Londoner Stadtteil, Waltham Forest, besser gesagt Walthamstow. Unsere Eltern waren allesamt einfache und ehrliche Bürger gewesen. Auf eines waren wir besonders stolz, unseren Straßenmarkt den angeblich längsten in ganz Europa und der Welt.
Ja, wir waren Rotznasen, unbekümmert und leicht wie ein Blatt im Wind. So wehte uns diese Brise in unser Leben. In der Schule schmiedeten sich unsere Bande enger, wir Jungens waren eine Gang und die Mädels unsere Bräute. Das war Schwachsinn, zugegeben, aber machen wir nicht in unserem Leben öfters Dinge, die wenig Sinn ergeben.
Die Sommer unserer Leben verflogen und irgendwann waren wir schon im Alter von 15 Jahren. Wir Jungens interessierten uns plötzlich für die Röcke und was darunter steckte. Für Jeff und mich ging es dabei mehr um die Theorie. Unser Freund Daniel hingegen war der Meinung er müsste es ganz schnell ausprobieren.
Was er dann auch tat, häufig tat. Er war plötzlich mehr damit beschäftigt Weiber aufzureißen, als sich für die Schule zu interessieren. Eines Tages sprachen wir ihn auf sein Verhalten an, er war mittlerweile an der Schule zum Weiberheld verkommen. Daniel fragte uns. „Ihr seid doch nicht etwa schwul? Wenn nicht, dann macht es halt eben wie ich. Jede Braut einmal, wenn sie besonders gut ist, ein zweites Mal und dann weg damit.“
Während wir betroffen ihm nachstarrten, meinte Jeff. „Wenn er an Susan geht, drehe ich ihm den Hals um.“ Susan? Gab es da etwas, was ich nicht mitbekommen hatte. Ja! Der arme Jeff war total verliebt in Susan. Sie war seine Heilige und seine Einzige. Die zarte Rose und das duftende Jasmin. Ich befürchtete das Schlimmste.
Leider behielt ich recht. Manche Zungen behaupteten er hat sie gegen ihren Willen genommen. Auf jeden Fall hatte er die Rose zerbrochen. Jeff erzählte mir erst an der Beerdigung von Susan, was wirklich passiert war. Ab diesem Tage war Daniel für mich im Grunde gestorben, nein, noch viel schlimmer, meine jugendliche Unschuld war dahin.
Susan hatte sich bei Jeff ausgeheult. Dieser Bastard von Daniel hatte die Kleine geschwängert und danach mit einem supercoolen Spruch in die Wüste geschickt. „Du Schlampe hättest aufpassen müssen, außerdem mag ich keine mit einem Bauch.“ Susan war bis ins Mark tödlich getroffen. Da half auch der Trost durch Jeff wenig.
An einem Spätnachmittag ging es wie ein Lauffeuer durch den Ort Walthamstow. „Susan hat sich auf dem Dachboden erhängt.“
Grausam sind der Menschentriebe zu spielen mit Gefühlen. Allzu oft sie damit verursachen große Qual und Leid.
Es dauerte keine sechs Monate und die Eltern von Susan verstarben. Meine Mutter meinte, die armen Leutchen hätten den tragischen Tod ihrer einzigen Tochter nicht überwunden.
Kurze Zeit später machte mich Mary an. „Willst du eigentlich nur zugucken oder auch irgendetwas dagegen unternehmen? Daniel muss für seine Tat büßen!“
Jeff blies in dasselbe Horn. Ich musste hoch und heilig am Grab von Susan versprechen, dass wir für die Gräber der Toten sorgen und der Tag kommen werde an dem Daniel für seine Tat büßen würde. Natürlich tat ich dies und wie so oft im Leben würde auch dieser Schwur gebrochen werden.
Das war ein gewaltiger Irrtum, dieser Schwur war mächtig und hielt bis zum heutigen Tag.
Wir bahnten uns den Weg in die Welt der Erwachsenen. Jeff wurde Automechaniker mit einer eigenen Werkstatt in einem Hinterhof, wie es eben typisch ist für englische Verhältnisse. Ich wurde Volontär bei einer Zeitung und später Redakteur einer Boulevardzeitung. Kathleen wurde Häusermaklerin und Mary übernahm den Pub ihrer Eltern. Wir wurden demnach ganz normale Menschen bis auf Daniel.
Der wurde natürlich Banker und Börsenhändler und wahrscheinlich der größte Frauenheld Londons. Jeff nahm ihm diesen Lebenswandel schwer Übel, vor allem weil er überall immer die große Fresse riskierte. Es nutzte auch wenig, wenn er Lokalrunden schmiss, er blieb in unserer Welt kein beliebter Mensch.
Daniel wusste es und es war ihm ganz egal. Er kam einfach in unser Pub, spielte uns den großen erfolgreichen Banker und Mann von Welt vor. Manche Armleuchter glaubten seine Sprüche, nur Mary glaubte ihm kein Wort.
Sie lächelte nur und sagte. „Daniel, du bist ein Spieler, Betrüger, Abzocker und ein Liebhaber bist du schon gar nicht!“ Daniel wurde dann verlegen, ein zartes Rouge legte sich auf seine Wangen und er hielt tatsächlich die Klappe. Was wusste Mary, dass wir nicht wussten?
Es sollte noch einige Zeit dauern, bis sie es mir erzählte. In der Zwischenzeit schien London nur noch aus Bankern zu bestehen und Leuten, die Kohle hatten. Jeff meinte, ihm sei dies egal, er verdiene für sich genug Geld. Und die Liebe? Und die Frauen? Es war ein Teufelskreis.
Jeff wollte keine und ich traute mich nicht. Warum? Nun, ich bildete mir ein, es wäre unfair gegenüber dem Freund plötzlich eine Frau zu haben. Wir waren allerdings nicht alleine mit unserem Problem, auch Kathleen und Mary hatten keine Beziehungen. Manchmal geht, das Schicksal eben merkwürdige Wege und was rein zufällig aussah, war Notwendigkeit für die Zukunft. Wer von uns vier Menschen dachte aber an eine solche Möglichkeit? Keiner!
Die Wende brachte ein Freitagabend. Jeff und ich spielten gerade Billard als Mary zu uns kam und meinte. „Vor der Türe steht eine Dame, die hat ein Problem mit ihrem Wagen. Jeff helfe ihr doch bitte.“ Jeff sah mürrisch vom Billardtisch herüber. „Die Werkstatt ist geschlossen! Die soll sich halt einen Abschleppwagen kommen lassen. Außerdem fahre ich gleich wie jedes Wochenende zum Angeln.“ Mary sah mich flehentlich an. Ich bat ihn. „Jeff, tue Mary den Gefallen, helfe der Frau.“ Jeff legte den Queue beiseite und meinte nur. „Ihr zwei seit einfach eine verschworene Bande!“ Ich sah ihn an diesem Abend nicht mehr.
Mary hingegen ging zum Angriff über. „Du fährst bestimmt wie an jedem Wochenende nach Schottland.“ Ich nickte. „Hast du dort eine Freundin?“ Ich nickte und dann kam der Gummiknüppel. „Lüge mich nicht an, du fährst nicht nach Schottland und Jeff auch nicht zum Angeln. Ihr verkriecht euch jedes Wochenende in euren Wohnungen und glaubt der Rest der Welt wäre blind. Ich hätte eine gute Idee für dich, wie wäre es, wenn du zur Abwechslung bei mir bleibst, ich zeige dir dann schon die Bergwelt.“
In jener Nacht erkundete ich ihre Venushügel, danach waren eigentlich alle Unklarheiten beseitigt. Ich erfuhr aber auch den Grund, weshalb Daniel immer schwieg, wenn Mary ihm ein paar Worte sagte. Es war wohl seine größte Schmach gewesen, dass bei Mary ihn seine männliche Größe im Stich gelassen hatte. Wir fragten uns außerdem, weshalb wir solange gebraucht, hatten uns zu finden.
Während ich das Wochenende auf Glückswolken verbrachte, hatte auch mein Freund Jeff den großen Glückstreffer. Seine Dame hieß Kathleen. Ein halbes Jahr später gab es unsere gemeinsame Doppelhochzeit. Wir hatten endlich unser persönliches Glück und die Liebe gefunden.
Es dauerte nicht lange und Daniel tauchte wieder auf. An einem Donnerstagabend stand er plötzlich im Pub und schwafelte von großen Geschäften mit unermesslichen Renditen, nur man müsse schnell sein. Pst, mehr sage er nicht. Wir alle hätten doch noch Geld auf der Kante. Mary gab ihm die passende Antwort. Er spielte einen Mister sehr beleidigt. Schließlich jonglierte er doch so mit den Milliarden. Die passende Antwort gab ihm Jeff. „Wenn du schon mit Milliarden jonglierst, benötigst du unsere paar Kröten nicht. Ich sage dir noch etwas, du bist schneller tot, als du denkst!“
Daniel verließ den Pub und wir hatten ihn an diesem Abend tatsächlich zum letzten Mal lebend gesehen. Der nächste Tag, ein Freitag, wurde ein schwarzer Freitag, düstere Wolken am Finanzhimmel und haufenweise schlechte Nachrichten. Die erste Information betraf den alten Mister Brown, es hieß, er habe sich in seinem Büro in seiner Bank erschossen. Ich wusste sofort, diese schlechte Nachricht hatte mit Daniel zu tun. Einige Stunden später berichteten alle Medienkanäle über das Ausmaß einer gigantischen Pleite in Finanzkreisen. Die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen mehrere Personen. Es hatte einen weiteren Todesfall gegeben, ein Börsenmakler hatte sich erhängt.
Auf dem Friedhof hat der Regen nachgelassen. Ich halte meine Mary im Arm und Jeff hält die Hand seiner Kathleen. Wir haben uns zu dem Grab auf der gegenüberliegenden Seite umgedreht. Mary sagt. „Findet ihr das nicht irgendwie unheimlich, der Mistkerl liegt genau gegenüber dem Grab von Susan.“
Jeff grinst. „Das finde ich vollkommen gerecht, er soll genau hinsehen. Das Mädchen, Daniel, hast du auf dem Gewissen, du allein. Jeden Tag, an dem du auf diesem Friedhof liegst, sollst du daran erinnert werden.“
Kathleen stupst ihn an. „Ich denke es ist langsam Schluss mit dieser Geschichte. Wusstet ihr eigentlich, wenn sich ein Mann erhängt, soll er noch eine Erektion haben.“
Jeff ereifert sich. „ Das heißt doch nicht etwa ...?“
Ich lege meine Hand auf seine rechte Schulter und sage beruhigend. „Lass es gut sein, Jeff. Es ist endlich vorbei. Wir sollten endlich die Vergangenheit ruhen lassen.“
Mary nickt zustimmend. „Kennt ihr den Spruch: Hochmut kommt vor dem Fall! Unrecht gedeiht nicht gut! Was wollen wir mehr, Daniel war der Erfolgreichste von uns, aber sein Glanz hielt nicht. Am Ende hat er alles verloren. Wir sind zwar kleine Leute geblieben aber uns geht es doch gut.“
Wir verlassen den Friedhof, gehen endlich in unsere eigene Zukunft, viel zu lange hat uns die Vergangenheit festgehalten.
© Bernard Bonvivant, Schriftsteller, Germany
Liebe-Glück-Leidenschaft heißt:
Die goldene Sonne Kaliforniens
Ich kam 1823 als Gustav Friedrich von Freyenhausen zur Welt. Früh schon hielten meine Eltern mich für einen Taugenichts. Ich hatte viele Ideen in meinem Kopf doch leider passten sie nicht zu meinem Stande. Im Jahre 1843 hatte mein werter Vater endlich die Schnauze voll von mir. Er buchte ohne mein Wissen eine Schiffspassage in die neue Welt, verfrachtete mich zum Kai. Versehen mit einer bemerkenswerten Abfindung sollte ich mein Glück in der neuen Welt suchen.
Offenbar hatte der alte Herr doch Gewissensbisse seinen zweiten Sohn so einfach in die Welt zu werfen. Zu meiner Schande musste ich eingestehen, es hatte mich nicht im Geringsten gereut zu gehen. Mein alter Herr hatte es dennoch für notwendig gehalten, mich nach Kalifornien zu einem alten Freund zu schicken. Der werte Herr hatte einen Zeitungsverlag in San Francisco.
Ich war bei meiner Ankunft ein wenig enttäuscht, San Francisco hatte nicht einmal 1.000 Seelen zu bieten. Das Amüsement war eher bescheiden und die Damen auch nicht gerade die erste Wahl. In meinem Hotelzimmer waren die Wanzen und es war keineswegs als sauber zu bezeichnen. War ich etwa in der Welt des Teufels gelandet? Nein!
Es sollte noch viel schlimmer kommen, doch dies wusste ich zu diesem Zeitpunkt nicht. So begab ich mich zu meinem Antrittsbesuch bei diesem Verleger. Ich hatte eigentlich eher den Müßiggang und die Lasterhaftigkeit auf meine Fahne geschrieben. Leider musste ich gleich bei meinem Gespräch mit dem werten Verleger einem Schweizer feststellen, mein alter Herr versuchte, diesem Drang einen Riegel vorzubauen. Das Ansinnen an mich war keineswegs unverschämt, ich sollte als Redakteur arbeiten und zusammen mit einem Fotografen vernünftige Artikel für die Zeitungen in Europa erarbeiten.
Der Fotograf hieß Maurice Chevalier und war wie der Name schon andeutete Franzose. Dieser Umstand machte ihn mir gleich sympathisch, ein Franzose verstand zu leben. Ich sollte noch lernen, dass es Unterschiede gibt in der Auffassung, wie man lebte.
Um es kurz zu machen, ich nahm die Herausforderung an. Mein größter Wunsch war es diesem Hotel zu entkommen und so musste ich mir dringend eine standesgemäße Unterkunft suchen. Es sollte sich in meinem Leben ein neues Dach finden auf eine äußerst originelle Art. Während ich wieder einmal enttäuscht von einer möglichen Wohnstätte zurück zu meinem Hotel lief, war das Schicksal an meiner Seite.
Erst roch ich ein angenehmes Parfüm und dann nahmen meine Augen eine Dame wahr. Ja, sie war eine Dame vom Kopf bis zum Fuß. Was ich noch sah, waren zwei Flegel, die sicher nichts Gutes im Sinn hatten. Sie hielten die Dame an und versuchten Ihr den Weg zu versperren, dabei machten sie sehr eindeutige Angebote. Ein Mann mit Ehre und Anstand kann solches Treiben nicht tatenlos geschehen lassen.
Ich stellte mich den Herren vor und bat sie die Dame in Ruhe zu lassen. Es gelang mir dem ersten Schlag auszuweichen und dann stürzte sich einer der beiden Flegel auf mich. Es kam zu einer wilden Rauferei.
Unterdessen wollte der zweite Flegel der Dame unter den Rock fassen. Solches hätte er besser gelassen. Das nachfolgende Ereignis gereichte einer Dame zum Ruf als Miss Unnahbar. Die Dame trat ihn an seine empfindlichste Stelle und schlug ihm mit ihrer rechten Faust an die Schläfe. Der Bursche fiel wie ein Sack zu Boden.
Sein Kumpel ließ von mir ab und starrte überrascht auf den am Boden liegenden Freund. Eine Frauenstimme sagte laut und deutlich. „Wenn diese üblen Burschen nicht Land gewinnen, dann schieße ich euch die Männlichkeit ab!“
Sie hielt einen Revolver in der Hand und das Funkeln ihrer Augen und die Zornesröte in ihrem Gesicht, fand zumindest ich einfach nur toll. Eine Menschenmenge hatte sich mittlerweile gebildet und klatschte Beifall.
Miss Maureen hatte sich Respekt verschafft und nicht nur solches, die Männer ließen sie ab diesem Tage in Ruhe. Während die Menschenmenge sich auflöste und ich aus dem Dreck der Straße auferstand, überkam mich ein gewisses Gefühl der Scham.
Ich klopfte an meiner Kleidung den Staub ab, dann sah ich wie die Dame mich musterte. Verlegen suchte ich dem Blick auszuweichen.
„Herr von Freyenhausen macht es ihnen Spaß sich wie ein Schwein im Dreck zu wälzen?“ Es waren Peitschenhiebe und sie trafen bis auf das Knochenmark. Woher kannte sie meinen Namen? Sie winkte mich herbei, wie einen Lakai. „Folgen sie mir, immerhin ist eine Reinigung von Nöten.“
Ich folgte ihr in ein echtes Haus aus Steinen gemauert, ein herrschaftliches Gebäude. Eine schwarze Perle sah mich kopfschüttelnd an. „Miss Maureen, soll der etwa?“
Die Dame blickte sie streng an. „Ja! Der soll und ich möchte keine weiteren Kommentare hören. Herr von Freyenhausen hat schließlich für meine Ehre gekämpft.“
Ich wurde in eine Badewanne gesteckt, es war das schönste Gefühl seit meiner Abreise aus Europa, wenn ich etwas vermisst hatte; dann war es die geeignete Badestelle. Ich kleidete mich in neue saubere Kleidung. Woher sie kam, war mir in diesem Moment unwichtig. Einige Zeit später führte mich die schwarze Perle in den Salon.
Maureen Ó Cinnéide war die Tochter eines angesehenen Bankers mit irischen Wurzeln. Während ich ihre Schönheit bewunderte, reichte ihr Vater mir die Hand. Ich war so gefangen von diesem Anblick, dass ich dabei meine Umwelt vergessen hatte.
Wir speisten zu Abend und Mister Ó Cinnéide fand die Konversation mit mir sehr angenehm. Bei einem Glas Whisky vor dem Kamin nahm ich die Einladung in seinem Haus zu wohnen dankend an. Diese Entscheidung war wohl die Klügste in meinem ganzen Leben.
Während ich meine zarten Bande zu Maureen webte, brach um uns herum die Hölle los. Innerhalb von nur 2 Jahren wuchs unser San Francisco um das 25-fache. Das Zauberwort hieß Gold. Die Menschen stürmten unsere Stadt und die Kaufleute erhöhten die Preise.
Maurice Chevalier und meine Schreibkunst standen plötzlich hoch im Kurs. Unsere Berichte über den Goldrausch fanden reißenden Absatz. Erstaunlich war dabei, kein einziger Verlag fragte uns, wie es uns möglich war, so viele Nachrichten in die Welt hinauszuposaunen. Alle Welt war nur noch fasziniert von dem glitzernden Gold.
Die Bank von Mister Ó Cinnéide wurde über Nacht zur mächtigsten Bank des Südens Amerikas. Das Leben hatte aber auch Schattenseiten zu bieten, in den Jahren 1849 bis 1851 brannte San Francisco insgesamt sechs Mal ab.
Na ja, nicht die ganze Stadt, aber die ganzen Holzhäuser und die dichtgedrängten Armenbehausungen schon. Maurice und ich hatten uns derweil so in die Arbeit gestürzt und begonnen die Welt mit Nachrichten zu versorgen, wir merkten nicht einmal mehr, wie die Zeit verflog.
Lediglich Maureen erinnerte mich an ein anderes Leben. Maureen hatte es plötzlich unheimlich eilig aus San Francisco zu ziehen. Sie bestand auf die Ehe und ein Haus außerhalb der Stadt. Zugegeben die Ehe war überfällig, nur mit dem Bau eines Hauses außerhalb der Stadt zögerte ich noch. Diese Frau kannte kein Erbarmen, alle meine Einwände wurden von ihr in der Luft zerpflückt.
Am Ende kam es, wie es kommen musste, wir bauten ein neues Haus weit von San Francisco weg. Wir zogen sozusagen auf das Land. Der Alte Ó Cinnéide fand es gut. Mein Freund und Partner Maurice fand es schlecht. Er wollte nicht weg von seiner Stadt.
Die Nächte voller Abenteuer und ständig in den Armen anderer Frauen, hatten ihm die Syphilis beschert. Nun war ich voller Dankbarkeit, Liebe und Wärme für jene Frau, die mir dieses Schicksal erspart hatte. Ich trug Maureen auf Händen, es war mir schlagartig bewusst geworden, welches großartige und einzigartige Geschöpf ich an meiner Seite hatte.
Wir wohnten jetzt auf dem Land und in der Stadt breiteten sich immer mehr die Flöhe und Ratten aus. Die Hygiene war in der schnellwachsenden Stadt kein Thema mehr.
Wie goldrichtig die Entscheidung meiner Frau war, wurde uns im Winter des Jahres 1851 vor Augen geführt. Ein Schreckgespenst hatte die Stadt ergriffen, die Cholera. Der Tod zog durch die Straßen und machte reichlich Beute. Er verschonte auch meinen Freund Maurice nicht.
Des einen Leid ist des anderen Freud. An diesem Spruch stimmt vieles, während ein Großteil der Bevölkerung in Kalifornien verstarb, ging es uns blendend.
Meine Frau gebar vier Kinder und ich hatte endlich beschlossen, anständig zu werden. Ich war in der Bank meines Schwiegervaters zum stellvertretenden Präsidenten aufgestiegen.
Unsere große Zeit kam erst. Wir bauten nun unsere Bank, das Bankhaus Ó Cinnéide & von Freyenhausen zu einer der mächtigsten Banken der Welt. Wir beteiligten uns an Minengesellschaften, Eisenbahnen und Fabrikationen. Die Nähe zum Pazifik brachte uns ebenso auf die Idee, uns eine Schiffsflotte zu zulegen.
So wurden wir ohne selbst nach Gold gesucht zu haben dennoch Gewinner des Goldrausches in Kalifornien.
© Bernard Bonvivant, Schriftsteller, Germany
Chantal meine Rose
Es geschah an einem normalen Samstagnachmittag, an einem ganz gewöhnlichen Tag Ende Juli. Ich hatte immer geglaubt wir wären anders, besser in der Beziehung als diese ganzen Zeitreisenden. Ich dachte unsere Beziehung hält ein Leben. War wohl ein großer Irrtum.
Ich hatte Chantal als junge Studentin kennen gelernt, sie war aus Biarritz, das liegt an der französischen Atlantikküste, nach Deutschland gekommen.
Wir hatten uns gleich heftig ineinander verliebt. Wir schwebten auf Wolken und trotz unserer bescheidenen Verhältnisse lebten wir wie die Fürsten.
Chantal konnte kochen, sie zelebrierte geradezu die größten Menüs auf unseren bescheidenen Tisch.
Ich verdiente mir während des Studiums mein Geld mit Taxi fahren und Pizza ausliefern.
Meine Chantal hingegen schlug sich immer erfolgreicher als Fotografin durch die Gegend.
Eines Tages eröffnete sie mir, das Studium ist vorbei. Jetzt arbeite sie nur noch als Fotografin. Irgendwie hatte ich damit gerechnet, ich konnte sie mir eigentlich nie so richtig als Anwältin vorstellen.
Ihre Fotos erschienen bald auf den wichtigsten Zeitschriften der Welt. Sie hatte es geschafft, damit sahen wir uns nur noch selten. In manchen Jahren sogar nur alle drei, vier Wochen und in ganz schlechten Jahren, auf dem Flugplatz, während wir entgegengesetzt eincheckten.
Wir haben trotzdem geheiratet und wie mir schien, waren wir sogar dreißig Jahre glücklich. Bis zu diesem Samstagnachmittag!
Vielleicht sollte ich diesen Tag ganz aus dem Leben streichen. Würde dies etwas ändern? Sicher nicht.
Chantal kam in mein Arbeitszimmer und setzte sich vorsichtig in den Sessel. Leise sagte sie.
„Harald ich muss mit dir reden.“
Ich blickte von meinem Buchmanuskript hinüber zum Sessel, aus dem mich eine bleiche Chantal ansah.
„Was gibt es meine Rose? Du siehst blass aus.“
„Ja, ich fühle mich nicht wohl. Ich fliege Morgen nach Tokio und mache Aufnahmen für einen Automobilkonzern. Auf dem Rückflug lande ich in London. Ich werde wohl für einige Zeit in London bleiben.“
Solche Offenbarungen aus dem Munde meiner Frau war ich gewohnt. Ich verstand nur nicht weshalb sie nicht von London am Wochenende nach Hause kommen wollte.
Schließlich lag London gerade Mal zwei Flugstunden von uns entfernt.
„Du verstehst mich wohl nicht. Ich werde vorerst ganz in London bleiben. Ich habe dafür persönliche Gründe.“
Sie reichte mir ein Foto. Ein junger Mann war darauf zu sehen. Sie nannte seinen Namen und sein Alter, ich habe es nicht gehört und ich wollte es nicht hören.
Mist! Einfach nur Mist! Wie konnte ich nur so naiv sein und glauben wir wären ein ideales Paar. Lächerlich! Wir waren nicht besser oder schlechter, wir waren genauso unfähig, unsere Liebe durch ein Leben zu tragen.
Wer daran die Schuld trägt? Mein Gott, beide und das Leben. Es bleibt nicht wie es ist, jeder Tag bedeutet Veränderung und jede Veränderung bedeutet Gefahr für die Liebe. Das fiel mir plötzlich wie Schuppen von den Augen.
Wahrscheinlich hatte ich, der seine Frau immer noch liebte, nicht gemerkt wie sie sich von mir entfernt hatte.
Schweigend stand ich auf, verließ den Raum und ging nach oben in unser Schlafzimmer.
Zum ersten Mal spürte ich mein Alter, zumindest schaffte ich kaum die Treppenstufen hinauf. Mühsam packte ich drei Koffer und wusste überhaupt nicht, wo meine Reise hinging. Ich war gerade fertig geworden, da stand Chantal in der Tür und fragte mich erstaunt.
„Du packst? Was hast du nun vor?“
Ich blickte sie kurz an und mein Herz blieb fast stehen. Der Schmerz war groß und ich hatte das Gefühl mein Herz begann gerade zu sterben. Ein letztes Mal sogen meine Augen diese Frau auf, das kurze, blonde Haar. Die funkelnden, strahlenden Augen, gleich einem Bergkristallsee an einem wunderschönen Sommerabend. Die zarte Haut mit einem leichten Braunton. Diese Lippen, sie luden geradezu zu einem Kuss ein, stattdessen sagte ich nur einsilbig.
„Ich werde in unser Haus nach Livorno fahren.“
Chantal sah mich vollkommen überrascht an.
„Du willst in die Toskana? Was wird aus dem Haus hier, wenn ich nicht da bin?“
Das war mir vollkommen gleichgültig, überhaupt war mir alles egal geworden. Ich hätte tot umfallen können und damit die einfachste Lösung für alle Beteiligte schaffen können.
Nichts dergleichen geschah, da machte der liebe Gott nicht mit. Das Leben hast du dir eingebrockt, löffele es auch bis zum bitteren Rest aus.
Ich ließ meine völlig überraschte Chantal stehen und ging mit meinen drei Koffern aus dem Schlafzimmer.
In der Garage verstaute ich mein Gepäck im Wagen. Danach fiel mir ein, vielleicht holte ich besser aus dem Vorratskeller noch ein paar Konserven mit.
Ich war mir nicht sicher, inwieweit wir noch Vorräte in unserem Haus in Livorno hatten.
Während ich meinen Proviant in den Kofferraum verstaute, stand Chantal hinter mir.
Kennen sie das Temperament der Frauen aus Südfrankreich?
Die Südländer sind mit deutlich mehr Feuer unter dem Hintern ausgestattet als die Nordländer.
„Was denkst du dir eigentlich? Ich werde dir keine Träne nachweinen! Du hast bestimmt eine Andere!“
Blödsinn, sie hatte doch schon einen Neuen, was sollte der Zirkus jetzt noch.
„Was wirst du in Livorno tun?“
Ich sah ein, ich musste ihr schleunigst eine Antwort geben.
„Ich werde auf die Effetto Venezia gehen, das Fest in dem Viertel hat mir schon immer gut gefallen.“
Chantal schaute mich an.
„Du gehst also auf dieses Fest, stimmt, das ist immer Ende Juli - Anfang August. Tue was du nicht lassen kannst.“
Sie stemmte demonstrativ ihre Hände in die Hüften und ließ deutlich vernehmbar Luft ab. Das war fast, wie das zischen einer Schlange, bevor sie zum Biss ansetzte.
„Ich werde mir eine Bordatino mit Polenta können, anschließend nehme ich Triglie alla Livornese mit einer würzigen Tomatensauce. Zum krönenden Abschluss leiste ich mir noch ein, zwei, drei Ponce alla Livornese.“
Chantal lachte mich schallend aus.
„Und anschließend hängst du, dank dem starken Kaffee mit Rum, besoffen in der Ecke rum. Ich gebe dir einen guten Rat, lasse auf alle Fälle deinen Wagen stehen. Italienische Gefängnisse sind keine Erholungsheime.“
Was kümmerte sie sich noch um mein Schicksal. Ich war mir nicht sicher was ich davon halten sollte.
„Was machst du nun wirklich in Livorno?“
Ich log sie einfach an, damit ich meine Ruhe hatte.
„Ich recherchiere für ein Drehbuch, das Fernsehen will dort unten einen Film über das Leben der Medici drehen. Immerhin stellte für die Florentiner der Hafen von Livorno, einen der wichtigsten Zugangswege zum Meer dar. Ich habe den Auftrag das Buch zum Film zu liefern.“
Chantal sah mich traurig an.
„Dann ist ja alles klar!“
Ich nickte und stieg in meinen Wagen und fuhr an einem späten Samstagnachmittag aus meinem bisherigen Leben davon.
Klar war überhaupt nichts und ich gebe es auch unumwunden zu, ich heulte auf der Autobahn meiner großen Liebe nach. Noch schlimmer, immer wieder starrte mich dieser traurige Blick meiner Frau aus dem Rückspiegel an. Ja, ich liebte diese Frau, noch immer und ich hätte ihr sogar ohne Probleme eine Romanze verziehen. Wir hatten zwar nie über Treue gesprochen, doch für meinen Teil, war ich noch so verliebt in meine Chantal wie am ersten Tag.
Warum kämpfte ich dann nicht?
Ich wollte mir meine Liebe nicht nehmen lassen, besser eine Liebe im Herzen still mit sich tragen, als ein gigantischer Scherbenhaufen zu hinterlassen.
Jeder Kilometer meiner Fahrtstrecke trug mich scheinbar ein Stück weiter von ihr fort.
So fuhr ich an einem Sonntagmorgen in der Frühe, auf den Weg, zu unserem Haus in Livorno.
Im Süden ist das Leben anders, es ist irgendwie leichter.
Ich stieg aus dem Auto aus, ging zur Terrasse unseres Hauses. Das Haus liegt an der Steilküste zwischen Livorno und Quercianella.
Ein herrlicher Blick auf das Meer und die Sonne strahlte an diesem Sonntagmorgen und ich bildete mir ein, mein Leben wäre gut.
Ich packte meine Koffer aus und stellte zu meiner Zufriedenheit fest, unser Vorratskeller war gut bestückt, sogar die Tiefkühltruhe war voll.
Das hätte mir zu denken geben müssen!
Stattdessen nahm ich, was ich brauchte und bereitete mir in der Küche etwas zu essen. Natürlich hatte ich mir eine Flasche Rotwein geöffnet. In dieser Gegend war es der Chianti, von der Sonne verwöhnt, half er über meinen Weltenschmerz hinweg.
Es war mir nicht nach feiern, es war mir nicht nach saufen; aber irgendwie musste dieses Leben doch weitergehen.
Ich setzte mich auf die Terrasse und würde dort vielleicht auch sterben, ja ich würde für den Rest meines Lebens einfach hier bleiben, sollte mir die Welt dort vor der Tür doch den Buckel hinunterrutschen.
In meinen Laptop hämmerte ich, die nächsten Tage und Wochen, die Geschichte meiner Frau und mir.
Ich sparte keine Details, nicht den Sex im Garten oder in der Flugzeugtoilette. Das wir in den USA fast im Gefängnis gelandet wären, weil wir uns nicht an die Missionarsstellung gehalten hatten. Ich sparte auch nicht die Stelle aus, als wir fast im Parkhaus eines Flughafens erwischt wurden. Ein Leben zwischen Tür und Angel, läuft nun Mal nie ganz normal ab.
Die beste Therapie scheint immer noch die Arbeit zu sein.
Mein Leben aber verdanke ich wohl, Lorenzo und seiner Frau Maria. Die guten Seelen hatten nach dem Haus und dem Garten gesehen und mich dabei schlafend auf dem Terrassentisch vorgefunden.
Maria ist fast erschrocken, so viele leere Flaschen. Sie meckerte, wie ein Mensch nur so unvernünftig sein könne. Ja, ich hatte natürlich den Tag und die Nacht nicht mehr unterschieden.
Wie konnte ich besoffen noch schreiben?
Ich weiß es wirklich nicht! Es waren eine Menge Korrekturen erforderlich, als ich wieder nüchtern war.
Obwohl Maria für mein leibliches Wohl sorgte, mein Herz war tot. Ich liebte immer noch meine Chantal und jeder Tag wurde für mich zu einer neuen Qual.
Ihr Dufte schwebte durch den Raum, jede Kleinigkeit erinnerte mich an sie und dann wusste ich plötzlich wieder, warum ich so gesoffen hatte.
Auf unserem Kamin stand das Foto von diesem Milchgesicht!
Ich brachte es nicht über das Herz, dieses Foto gegen die Wand zu schleudern und es in Stücke zu schlagen.
Das kam mir irgendwie nicht gut vor. Ich denke, das versteht keiner; aber ich liebte meine Frau. Ich wollte ihr nicht wehtun.
Es war gut sechs Wochen später und der September brachte die ersten zarten Hinweise auf den nahenden Herbst.
Mein Leben war nicht besser geworden, ich versuchte krampfhaft einen Neuanfang zu finden; aber irgendwie schwebte ich in einem luftleeren Raum. Alle Versuche von der Stelle zu kommen, scheiterten kläglich.
Am Sonntag der dritten Septemberwoche geschah es. Meine Angst vor diesem Zusammentreffen hatte mich die ganze Zeit festgehalten.
Vor mir stand die blühende Rose und ich war die eingehende Primel.
Es war soweit, das Grand Finale unserer Beziehung läutete sich ein. Sie war gekommen und sicher wollte sie die Scheidung.
Ich stand an der hohen Mauer und blickte hinab auf das Meer, während sie in meinem Rücken stand.
„Kriege ich nicht einmal einen Begrüßungskuss nach so langer Zeit?“
Das wagte sie sich zu fragen? Ich traute meinen Ohren nicht, sollte sie sich doch mit ihrem Jüngling abgeben.
Ich drehte mich um ging auf sie zu und gab ihr links und rechts einen zarten Hauch auf die Wange.
Das schmerzte mich nun noch viel mehr, immerhin hat sie eine zarte Haut und sie roch so wunderbar, auch ohne ein Parfüm. Obwohl sie meist einen leichten Hauch von Chanel dezent hinter ihre Ohren legte.
„Was ist eigentlich los mit dir, Harald? Ich verstehe die Welt nicht mehr. Bist du etwa sauer?“
Das war wohl der Gipfel.
„Ich und sauer, keineswegs. Ich gönne dir dein Glück von Herzen! Du hast es dir verdient, meine Rose.“
Chantal setzte sich auf einen der Terrassenstühle schlug die Beine übereinander. Das tat sie immer, wenn sie mich reizen wollte und sie verstand es mich immer in ihren Bann zu ziehen. Ich war einfach verrückt nach ihr.
„Sonst haben wir erst einmal Sex gehabt nach so langem Entzug. Willst du mich etwa bestrafen?“
Ich war baff, ich war schockiert, ich war erregt.
Tja, es war mir egal und wie. Ich flog auf meine Frau zu und dann küssten wir uns, leidenschaftlich hemmungslos wie immer. Wir rissen uns gegenseitig die Kleider vom Körper und liebten uns auf den Marmorfliesen unserer Terrasse. Es war voller Erregung, Zärtlichkeit und Vertrautheit. Wir verschmolzen miteinander und in ihrer Erregung, zerkratzte sie mir den Rücken.
Anschließend lagen wir nackt neben einander auf den Fliesen und starrten in den Himmel.
„Kannst du mir jetzt endlich sagen was los war Harald?“
„Dein jugendlicher Held hat mich leicht aus der Fassung gebracht.“
Chantal kicherte wie ein junges Mädchen.
„He, du bist ja eifersüchtig. Mein Gott, ist das süß. Eine größere Liebeserklärung kannst du mir gar nicht machen.“
Ich schaute sie voller Überraschung an.
Sie zwickte mich in die linke Brust.
„Blödmann! Das war Mark, der Junge auf den ich die ganzen Jahre aufgepasst hatte, nach dem Tod seiner Mutter.
Leider war ich darin nicht so gut, er ist letzte Woche an Aids gestorben.“
Ich schaute meine Frau an.
„Du meinst, es war der Sohn von diesem Modell, Alexandra?“
„Ja, genau der, du Dummerchen. Ach ich liebe dich, du hast aber auch manchmal verrückte Ideen.“
„Chantal?“
„Ja, mein Liebster.“
„Wollen wir nicht endlich einmal einen langen gemeinsamen Urlaub machen.“
„Au fein, was würdest du zu einer Kreuzfahrt um die Welt sagen?“
Ich lachte und gab ihr zärtlich eine Kuss.
„Ich fahre mit dir überall hin, meine Rose.“
Chantal grinste erfreut.
„Im Moment reicht mir die Kreuzfahrt, die habe ich nämlich schon gebucht. Eine ganze Suite für uns allein.“
Ich erhob meinen Oberkörper und stellte fest, aus dieser Position konnte ich nicht das Meer sehen. Damit war die Frage für mich geklärt, wir fuhren um die Welt.
Übrigens das Glück hat uns auch auf dieser Kreuzfahrt nicht verlassen. Wir nehmen uns jetzt endlich die Zeit für unser gemeinsames Leben und es war noch nie so schön und verrückt wie heute.
© Bernard Bonvivant, Juni 2008
Autor des Romans « Das Chaos »
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Bernard Bonvivant
Schriftsteller
